be crazy! be different! go vertical!

Ohne die Stöcke wäre ich wohl verloren. Mit aller Kraft stoße ich sie in den Hang und ziehe mich keuchend daran hoch. Der Schnee knistert unter den Spikes, ich setze einen Fuß vor den anderen. Einfach hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt - aber sterben wollte ich heute auch noch nicht.

Ich bin angetreten, um die berühmteste Abfahrtstrecke im Allgäu zu bezwingen, die Weltcup Abfahrtsstrecke in Ofterschwang. Beim „Allgäu Vertical" wird die Piste jedoch in umgekehrter Richtung gemeistert. Statt auf Skiern halsbrecherisch ins Tal zu rasen, rennt man den Berg hinauf und zwar 3,7 Kilometer lang mit

591 Hm bergauf und 215 Hm bergab.

  

Gestartet wird in 2 Kategorien: Touren- oder Langlaufski und Laufschuhe mit Spikes bzw. Schneeschuhen. Um 18 Uhr ist es soweit: Über 200 Teilnehmer rennen bzw. schieben ihre Ski über die Startlinie an der Wurzelhütte am Fuß der Ofterschwanger Skiweltcuppiste. Die Strecke führt zum Gipfel des Ofterschwanger Horns hinauf, dann die Piste „Märchenwiese“ bergab, um mit einem 2. Anstieg über den Gaisrücken wieder zum Ziel bei der Weltcuphütte zu kommen. Bildquelle: Axel Reusch

Die Strategie ist gänzlich einfach: Vollgas, einfach nur Vollgas bergauf.

Innerhalb von wenigen Metern ist der Puls schon auf Maximalkurs und er wird keinen einzigen Schlag mehr unter maximal abfallen.

Im Spot der Stirnlampe wird um die Wette gehechelt und gekeucht. Ein paar Skiträger stürzen im steilen Gelände und sausen auf dem Hosenboden die Pisten wieder hinunter. Auf dem Weg nach unten werden dann sogleich ein paar Läufer mitgenommen. Das Geschrei ist groß, hilft aber nichts. Für den einen oder anderen werden es ein paar Höhenmeter mehr werden.

Jeder ist konzentriert, um nicht zu stürzen, sucht die Ideallinie und achtet darauf, nicht in tiefen Schnee zu geraten. Am Pistenrand grölen die Zuschauer vor Begeisterung, treiben die Läufer an.

Es wird um jeden Zentimeter gekämpft, Herzschlag für Herzschlag, Meter für Meter, der Puls rast ins Unendliche.

Fackeln zeigen in der Dunkelheit den Weg nach oben zum Ofterschwanger Horn.

Oben angekommen geht es sogleich im halsbrecherischen Tempo 215 Hm bergab, um dann den letzten Anstieg zur Weltcuphütte in Angriff zu nehmen.

Jeder zahlt jetzt seinen Tribut der Piste gegenüber. Die Anstrengung erscheint mörderisch, das Ziel zum Greifen nah und doch viel zu weit, um durchzuhalten. Noch ein paar Meter, ein paar Schritte, sukzessiv versagen die Muskeln ihren Dienst, fix und fertig, das Ziel ist erreicht. Was für ein Rennen... Bildquelle: Axel Reusch

Erster wurde Konrad Lex aus Rottenbuch, ehemals deutscher Meister im Ski-Bergsteigen in 26:07 Minuten und die Spanierin Ragna Debats in 30:08 Minuten aus der achtköpfigen Delegation der katalanischen Schneeschuh-Nationalmannschaft.

Ich habe für die Strecke 38:52 Minuten benötigt und damit Platz 101 belegt.

Vielleicht sollte ich doch mal über Intervalltraining und einer anderen Rennstrategie nachdenken.

 

Ein bisschen verrückt muss man als Teilnehmer beim „Allgäu Vertical“ wohl sein, aber warum auch nicht? Es ist ja auch erst Januar…

"Anno Dazumal"

Der 1. Allgäu Vertical damals noch mit 2,8 km und 540 Höhenmeter.

Lieben Dank fürs Teilen

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Kommentare: 2
  • #1

    Eser Reinhold (Mittwoch, 01 Februar 2017 13:21)

    hallo Reinhart ab 18.02. kannst du ja mit uns in Andalusien schon mal im Sand trainieren

  • #2

    Roland Degenhart (Mittwoch, 01 Februar 2017 18:06)

    Hört sich nach ganz viel Spaß an. Die Reise ist leider schon ausgebucht. Habt dort eine schöne Zeit.