Flädlesuppe und Neunerköpfle

Die Vögel stellten sich gerade zum Soundcheck auf und ölten ihre Klangkörper, als mich ein knurrendes Geräusch am frühen Morgen erwachen ließ. Schlaftrunken drehte ich meinen Kopf zur Seite und wollte gerade Zahina zur Ruhe ermahnen, als ich das Knurren erneut vernahm.

Zefix, da schon wieder und jetzt fühlte ich es auch noch. Da vibrierte doch etwas!

Heureka! Es war mein Magen, er hatte Hunger.

Schnell aus dem Bett, in die Filzpantoffeln gehüpft und ab zum Kühlschrank. Tür auf, Kopf rein, leer. Doch halt, ein paar Weizen, schön gekühlt. Oh lecker, aber was war das? Ein unheimliches Verlangen nach einer Flädlesuppe machte sich in mir breit.

Flädlesuppe, oh ja, ganz lecker, das wäre jetzt was. Aber wollte ich nicht zuerst Laufen gehen und dann Frühstücken? So war zumindest noch gestern Abend der Plan, bevor mich der Schlaf aus dem Tag genommen hatte. 

Wieso eigentlich nicht!?

Schnell etwas Wasser ins Gesicht, die Trailschuhe in die eine, Zahina an der Pfote in die andere Hand genommen und los ging‘s. Flädlesuppe essen auf dem Neunerköpfle, das war der Plan.

 

Die Sonne lies bereits kräftig ihren Bizeps spielen, als meine Beine in Wallung kamen. Moderat, gleichbleibend, Kurve für Kurve, schlängelte sich der Forstweg an der Flanke des Neunerköpfle nach oben. Mein Magen knurrte im Takt meines Herzschlages, Schweißperlen verließen fluchtartig mein Gesicht, zielstrebig hüpfte ich den Berg nach oben.

Sonne und Schatten beendeten ihr Wechselspiel, als die ersten 800 Hm geschafft waren und ich die Flädelsuppe förmlich schon riechen konnte. Noch ein paar Höhenmeter und da war sie, die Alpe meiner Begierde. Zufrieden schaufelte ich die nicht wirklich lecker schmeckende Flädlesuppe in mich hinein und heckte bereits den nächsten Gedanken aus.

 

Noch kurz zum Gipfelkreuz, dann über den Höhenweg hinunter zum Vilsalpsee und zurück zum Auto. Zwischendurch noch schnell einen Kaiserschmarren auf einer Alpe vernaschen. Lecker!

Los geht´s, der Plan war perfekt.

Die letzten Höhenmeter zum Gipfel legte ich, dank Flädlesuppe, in Rekordzeit zurück und stürzte mich gleich weiter auf den schneebedeckten Höhenweg Richtung Landsberger Hütte.

 

Schritt für Schritt, Meter für Meter im Schnee. Hier war an Rennen nicht mehr zu denken.

Wie erniedrigend, ein Runner der gehen muss.

Herrgottzackrament wie mich das nervte. Ich wollte über den Höhenweg rennen und nicht Schnee-Trailschuh-Wandern. Genervt und lustlos stampfte ich weiter, bis endlich eine Weggabelung mein Sichtfeld kreuzte.

Aber jetzt! Meine Zeit war gekommen. Was ich da las erfüllte mein Herz mit Freude.

Da gab es ja noch den ober lässigen Downhill, der gar nicht mehr in meiner geistigen Karte verankert war. Kurz nachgedacht und neuen Plan gefasst. Verworfen war die Idee vom Vilsalpsee.

 

Über die Schneefelder durch den Wald zurück ins Tal. Ja genau, das wird ein Spaß.

Wie weggeblasen waren die trüben Gedanken der Schnee-Trailschuh-Wanderung. Ich konnte wieder rennen.

Lebensfreude pur! Vertikal ging es nach unten. Im Sauseschritt flitze ich bergab.

Hüpfte wie eine Gazelle über die Schneefelder, durchquerte wasserreiche Bäche, erschreckte

ahnungslose Wanderer, versuchte kleinen Kindern das Eis zu klauen und kam schließlich überglücklich - und genauso hungrig wie ich gestartet war - wieder am Auto an.

 

Zum Glück war für heute mein Bedürfnis an einer Flädlesuppe gestillt. 

Auf der Autofahrt zurück nach Hause dachte ich an Schnitzel: Wiener Schnitzel mit Pommes und Salat.

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