Madeira, tanzen in der Levada

Dem nasskalten Allgäu entfliehen und auf den scheinbar endlosen sonnigen Trails der portugiesischen Blumeninsel Madeira zu tanzen, das war der Plan.

Funchal, atlantischer Ozean 9.45 Uhr, endlich gelandet. 6 Tage Sonne, Sonnenbrand und ein bisschen über die Trails hüpfen. Wenn ich Glück habe, sehe ich Christiano Ronaldo und kippe mit ihm ein paar Weizenbier. Lecker Espada essen, Poncho trinken und Schiffchen aus Zeitungspapier in der Levada schwimmen lassen. Ach ja, es sollte einfach super relaxt werden.

Schnell verwische ich die Gedanken, als Carmel und Till von Sommerkind mich in die Zauberwelt von Funchal entführen.

Espada

Der Schwarze Degenfisch wird in den tiefen Gewässern rund um Madeira gefangen. Dieser Fisch wirkt auf den ersten Blick grässlich, sein Fleisch schmeckt hingegen vorzüglich.

Poncha

Poncha ist das typische Getränk Madeiras. Wenn man einen Maderenser fragt, dann ist Poncha Medizin. Er besteht aus Zitronen- oder Orangensaft, weißem Rum und Zucker.

Levada

Levadas sind künstliche Wasserläufe mit denen Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im Süden geleitet wird.


Es plätschert draußen, als ich am ersten Tag die Augen öffnete. Wo war die Sonne, ist mein Sonnenbrand in Gefahr? Konnte es wirklich sein, dass es regnet? Nein, es regnet nicht. Es ist nur ein Wasserfall, der vom Himmel fällt.

Als ich mich nach draußen wagte, klagten die Vögel bereits ihr Morgenleid und die Spatzen liefen mit dem Regenschirm vorbei. An solchen Tagen sollte man nackt im Regen tanzen und Prosecco aus Frauenschuhen trinken, aber nicht laufen gehen.

Fuck... wo bin ich da nur hineingeraten, ich mag doch keine nassen Socken haben.

Es war eigentlich Wurst, wo wir gelaufen sind. Der Regen und die überflutete Levada hatten kein Erbarmen mit uns. Der Tanz auf den sonnigen Trails der Blumeninsel wurde zum Tanz in der Levada. Zu einem Tanz, bei dem die Hände vor Kälte zittern und die Lippen sich blau färben.

Doch eines verstummte in dieser Zeit nie. Das Kreischen von aufgekratzten Kindern, die voller Freude von Pfütze zu Pfütze hüpften. Die sich immer gut gelaunt und voller Euphorie jeder Regenwolke stellten. Wir waren einfach die Superhelden der Kältefront.

Da war aber noch ein Gedanke in uns. Der Gedanke an eine leckere Poncha. Diese Poncha lies uns nicht mehr ruhen und so flogen trittsicher unsere Beine neben und auch in der Levada den Trail entlang.

Zwei Tage lang legte der Nebel des Grauens nun schon seinen Mantel über uns. Sintflutartige Regenfälle und kräftezehrender Schneefall waren ständig unsere Begleiter. Vergeblich suchten wir die Wärme des Golfstromes, die für milde Winter und angenehme Sommertemperaturen sorgt. Todesmutig stürzten wir uns die Stufen hinunter, überwanden trickreich die Eruptionen von Mutter Natur und hatten einfach nur Spaß an dem, was wir taten. 

Keine Hose war zu eng, kein Trail zu lang und kein Anstieg zu hart. Unser Herz schlug voller Hingabe und Leidenschaft bis zum Hals, als wir am dritten Tag die Anhöhe von Pico Ruivo 1861m erreichten. Es war der längste Anstieg, den wir bewältigt hatten und waren froh, wie es Superhelden halt so sind, diesen mit "1 mit Stern" erklommen zu haben.

Jauchzend, voller Freude jodelten wir den Berg hinunter, um Hals über Kopf in die nächste Poncha Bar zu stürzen. Wettererprobt und todesmutig wollten wir uns dem letzten Regentag stellen.

Ruhe, kein Plätschern war zu hören, als der letzte Tage erwachte.

Oh Gott, hat sie es wirklich geschafft? Konnte sie sich behaupten und sich durch die dicke Wolkenschicht in den Morgen kämpfen?
Die Augen leuchteten voller Freude und das Klagelied meiner modrigen Knochen verstummte, als ich die ersten Schritte in die Sonne tat.
Madeira zeigte uns am letzten Tag ihre Schokoladenseite.

Ein letztes Mal tanzten wir auf dem Trail der Blumeninsel entlang, auf dem Trail, der uns soviel abverlangte, ein Trail, auf dem fremde Menschen zu Freunden wurden. Wir hofften, dass dieser Trail nie enden würde.

Doch jeder Weg geht mal zu Ende, so wie diese Reise. Eine Reise, die soviel Zufriedenheit, Glück und Freude geschenkt hat.

Eine perfekte Reise, ein perfekter Flow.

Mein Dank gilt Carmel und Till von Sommerkind für eine mehr als einzigartige Reise.

Noch heute vermisse ich die kleinen Leckereien von Carmel und das spitzbübische Lächeln von Till.

Ja, meine Freunde Astrid, Janine und Alex. Wir waren wirklich Superhelden.

Lieben Dank fürs Teilen

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Kommentare: 2
  • #1

    Carmel (Montag, 16 Mai 2016 16:24)

    Danke Roland für den schönen Bericht und dass wir Teil Deiner Träume sind ;)

  • #2

    Cheryl Hatchell (Samstag, 04 Februar 2017 17:29)


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